Fotovoltaikanlage

Veröffentlicht am 20.02.2008 in Presse

Nottuln. Wird aus der größten Fotovoltaik-Freiflächenanlage Nordrhein-Westfalens nun sogar eine Bürgersolaranlage? Bürgermeister Peter Amadeus Schneider teilte am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass nach der Ratsentscheidung vom Dienstag einzelne Bürger gezielt nach einer Beteiligungsmöglichkeit nachgefragt hätten. Schneider steht diesem Anliegen positiv gegenüber und lässt nun Beteiligungsmöglichkeiten mit einer Mindestsumme von 5000 Euro bei einer Verzinsung von 4 Prozent prüfen.

Wie berichtet, haben am Dienstagabend SPD, UBG, Grüne, FDP und der Bürgermeister mit ihrer Mehrheit von 21 Stimmen das Millionenprojekt gegen die 15 Nein-Stimmen der CDU auf den Weg gebracht. In der mehr als zweieinhalb Stunden dauernden Diskussion wurde deutlich, wie weit die Meinungen auseinandergehen.

„Dieses Projekt ist von überregionaler Bedeutung und Interesse. Es passt in unsere Zeit“, erklärte Bürgermeister Schneider in der Sitzung. Der erhoffte Imagegewinn war neben der Wirtschaftlichkeit das herausragende Kriterium, auf das auch SPD, Grüne, UBG und FDP immer wieder hinwiesen. Sogar die FDP, sonst grundsätzlich ein Gegner von wirtschaftlichen Betätigungen durch die Öffentliche Hand, gab dem Image-Gewinn den Vorzug.

Anders dagegen die CDU, die nach wie vor nicht geklärte Risiken sieht und daher das Projekt ablehnt. „Wenn der Erfolg des Projektes so klar ist, warum kommen dann andere Kommunen nicht auf diese Idee“, wunderte sich Josef Lütkecosmann (CDU). Der erhoffte Imagegewinn hat seiner Einschätzung nach keine Langzeitwirkung. Wenn die Anlage veraltet sei, sei es auch mit dem Image vorbei. „Wir haben uns ein umfassendes Entschuldungsprogramm auferlegt. Das ist unser Hauptanliegen“, meinte Lütkecosmann. „Muss man in dieser Situation überhaupt über so ein Projekt sprechen?“

CDU-Ratsfrau Margret Große Wiesmann steht dem Projekt ablehnend gegenüber, weil dadurch Flächen der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen werden. „Wir haben selbst eine Fotovoltaikanlage, aber auf dem Dach“, erklärte die Landwirtin. Für die Landwirte sei es wichtig, dass Bewirtschaftungsflächen in der Nähe Appelhülsen erhalten bleiben. Es gebe zunehmend einen Mangel an landwirtschaftlichen Flächen. Deshalb lehne sie das Vorhaben ab.

Norbert Kummann (CDU) wies auf eigene Berechnungen hin, die im Ergebnis den Berechnungen des Wirtschaftsprüfers ähneln. Danach ist eine Verpachtung der Flächen für die Gemeinde wirtschaftlicher als das Fotovoltaik-Projekt. „Die Pachteinnahme ist realistisch, das andere ist risikoreich. Und das kommt für mich nicht in Frage“, meinte Kummann.

CDU-Fraktionsvorsitzender Hartmut Rulle hatte in seiner Stellungnahme neben diesen Aspekten auch das Risiko Diebstahl und Vandalismus angeführt. Dort, wo solche Anlagen stehen, gebe es eine erhebliche Diebstahlsproblematik, berief sich Rulle auf Erkenntnisse der Polizeibehörden. Rulle befürchtet solches auch für Appelhülsen. In der Konsequenz könne es dann Probleme mit dem Versicherer geben. Fazit der Abwägung: „Bei mir liegen die Bedenken vorn“, begründete Rulle seine Ablehnung.

Nach Auskunft von Bürgermeister Schneider gibt es nicht überall geeignete Flächen für so ein Projekt. Die Bezirksregierung habe die Vorgaben gemacht, dass keine hochwertigen Flächen verwendet werden dürfen. Außerdem müsse die Fläche in der Nähe eines Siedlungsbereiches liegen. Schneider informierte auch darüber, dass das vom Kreis Coesfeld geplante Fotovoltaik-Projekt an den besonderen Bodenverhältnissen gescheitert sei. Der Kreis habe eine Anlage auf einer ehemaligen Mülldeponie geplant. Weil die in der Erde liegende Abdeckfolie nicht beschädigt werden dürfe, sei eine besondere Gründungskonstruktion notwendig gewesen. Das habe das Projekt unwirtschaftlich gemacht.

VON LUDGER WARNKE, NOTTULN

20 · 02 · 08

 

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