"Sekundarschule und die Brechstange" - ein Kommentar von Wolf Haase

Veröffentlicht am 21.10.2011 in Schule und Bildung

SPD Fraktionsvorsitzender Wolf Haase

Die SPD hat sich nach reiflicher Überlegung gegen eine Sekundarschule zum aktuellen Zeitpunkt entschieden. „Wir möchten mehr Zeit, um nicht unnötig Geld in den Sand zu setzen und wir möchten vor allem ein vernünftiges Konzept, das für die gesamte Schullandschaft in Nottuln langfristig Bestand haben soll!“

Diese Entscheidung richtet sich nicht gegen den Kirchlichen Träger. Im Gegenteil, wir sind ihm dankbar, dass er sich offen und kooperativ gezeigt hat. Wir haben Verständnis dafür, dass die Kirche ihren Standpunkt, ihre Sichtweisen in dieser Diskussion vertritt und kirchliche Grundsätze weiter verfolgen will, denen wir als Sozialdemokraten nicht folgen können und wollen.

Antrag der SPD Nottuln zur Sekundarschule, gestellt in der Ratssitzung am 18. Oktober 2011:

"Bürgermeister und Verwaltung werden beauftragt, mit Blick auf den demografischen Wandel in Zusammenarbeit mit den Fachgremien mittelfristig Alternativen zur bestehenden Schullandschaft in Nottuln zu entwickeln.

Begründung:

Die SPD Nottuln glaubt, dass die Fokussierung auf eine 'Sekundarschule' für die schulische Entwicklung in Nottuln nur eine Teillösung bzw. eine Übergangsregelung sein wird.
In die aktuellen Überlegungen fließen einerseits die Daten zur Zukunft des Gymnasiums nur marginal ein, andererseits werden Überlegungen zur Schulentwicklung der Nachbargemeinden nicht ausreichend berücksichtigt.
Der finanzielle Einsatz ist für die SPD Fraktion mit Blick auf die unsicheren Zukunftsdaten unserer Schulen und den Gemeindehaushalt zum jetzigen Zeitpunkt grundsätzlich zu hoch."

Der Antrag wurde von den Grünen unterstüzt, aber mit Stimmenmehrheit (CDU, UBG, FDP) abgelehnt.

Dieser Entscheid zur Sekundarschule geht an der Realität vorbei!

Sicherlich war es nicht zu erwarten, dass dieser Antrag der Nottulner Sozialdemokraten im Rat eine Mehrheit finden würde. Zu sehr hatten sich CDU, FDP und UBG darauf versteift, den einmal eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. – Massive Unterstützung fanden sie dabei seitens der Verwaltung, kein Wunder, hatte diese doch das Unternehmen „Sekundarschule“ ohne vorherige Information quasi im Alleingang begonnen und vorangetrieben.

Viele Fragen bleiben offen

Diese Entscheidung ist nun zu einem Zeitpunkt gefallen, an dem viele Fragen offen sind, es z.B. noch nicht einmal feststeht, welche Vorgaben das noch zu verabschiedende Gesetz überhaupt macht. An denen wird, sollte z.B. der „Gebundene Ganztag“ verpflichtend sein, die Umsetzung in Nottuln scheitern, aber nur wenn, ja wenn Herr Rulle (CDU) zu seinem Wort aus der HFA Sitzung steht? Frage ist, ob der Rest der CDU ihm da folgen wird.

In Nottuln soll nun nach Willen der Mehrheit des Rates eine sog. Sekundarschule in der Trägerschaft der Kirche entstehen, die bewusst als Mogelpackung realisiert werden soll. (Nach Einsicht des Schriftverkehrs zwischen Verwaltung und Kirche sieht es eher nach einer Verbundschule durch die Hintertür aus, also einem eher organisatorischem Zusammenschluss.)

Keine inhaltlichen Zugeständnisse seitens des Trägers!

Keine einzige der ursprünglichen Vorgaben, die von allen! Ratsfraktionen als Verhandlungsmasse in den Gesprächen mit dem Bischof eingefordert wurden, ist von diesem akzeptiert bzw. zugestanden worden. Nichts ist mit Ethikunterricht, nichts mit Integration oder Inklusion, nichts mit offener Lehrereinstellung.

Dazu waren die Stellungnahme des Vertreters der Kirche Herrn DR. Middendorf von vage bis ablehnend, aber, wie sagen CDU und FDP so schön: „Man muss Vertrauen haben!“

Kosten ungeklärt!

Der Kämmerer bewegt sich seit Anfang der Diskussion in einem Kostenrahmen für diese „Sekundarschule“ von ursprünglich 5 Millionen Euro, jetzt sind es auf einmal nur noch 1,8 Millionen. – Die Zahlen variieren je nach Veranstaltung. Nun hat auch die CDU diesbezüglich einen Fragenkatalog aufgestellt, um deren Beantwortung sie bittet. (Fragen, die wir dem Kämmerer schon am Anfang der Schuldiskussion gestellt haben, auf deren Antworten wir bis heute warten, aber vielleicht wird`s ja jetzt was.)
Diesem Antrag haben wir natürlich zugestimmt, sollte doch die schlüssige Beantwortung dieser Fragen ein weiteres Kriterium sein, ob wir im Rahmen unserer Haushaltslage eine „neue“ Schule überhaupt leisten können.

Bisher hat der Kämmerer nur auf „mögliche“ Einnahmen in der Zukunft hingewiesen, das Gebäudemanagement (Verkauf, Vermietung, Umzug) hin –und her verschoben, ist aber zu immer neuen Zahlen gekommen.- Nichts Genaues weiß man nicht, aber wie sagen CDU und FDP so schön: „Man muss Vertrauen haben!“


Ein weiterer Knackpunkt: die Zeitschiene zur Realisierung.

Nun ist das Gesetz zwar verabschiedet, aber die Inhalte der Gesetzesvorlage und die damit verbundenen Forderungen an eine „neue“ Schule werden für die Kollegen und Kolleginnen eine Herausforderung sein, der sie sich kurzfristig stellen müssen. Der Druck auf die Lehrer dieser Schule ist gewaltig!

Und unsere Kinder werden trotz aller Anstrengungen der Lehrkräfte (wieder einmal) die Versuchskaninchen sein.
Können wir die Vorgaben des Landes überhaupt umsetzen?
Kommt dann die Information der betroffenen Eltern noch rechtzeitig, damit sie wirklich entscheiden können, auf welche Art von Schule ihr Kind gehen wird? Auch hier ist eine verbindliche Auskunft nicht zu erhalten. Und wie sagen CDU und FDP so schön?
„Man muss Vertrauen haben!

Demografischer Effekt

Und ist die Nottulner Schullandschaft dadurch wirklich gerettet?
Klar ist nur, dass die Hauptschule aufgelöst werden muss, obwohl sie nach den Schülerdaten noch zirka vier bis fünf Jahre weiter existieren könnte.
Der demografische Wandel „knabbert“ aber auch an der Existenz des Gymnasiums, besonders in der Oberstufe bezogen auf die Differenzierungsangebote. Das wird nur ungern von den Befürwortern der Sekundarschule anerkannt, ist allerdings Fakt, wenn man auf die Daten schaut.
Also trotz eines neuen Schulleiters mit vielen neuen Ideen, gegen den „Demografischen Wandel“, den Rückgang der Schülerzahlen wird er machtlos sein. Aber wie sagen CDU und FDP so schön: „Man muss man Vertrauen“ haben.
Nur, die Folgen des demografischen Wandels sind absehbar und bittere Realität und da hilft Vertrauen recht wenig. Und nach Einschätzung der Sozialdemokraten stehen wir dann mittelfristig wieder vor der Frage, was wir mit dem Gymnasium machen sollen.
Wieder eine Kooperation mit dem Bischof? Eine kirchliche Gesamtschule? Geben wir dann unsere gemeindliche Schule ganz in die Verantwortung eines Ersatzschulträgers und „zu welchem Preis dann?“
Umdenken ist gefragt!
Schauen wir kooperativ über den Tellerrand des Kirchturms.
Andere Kommunen bieten auch Schulformen an, zu denen unsere Kinder fahren können. Und das tun sie schon heute freiwillig, das können wir ihnen zumuten!
Und, warum eigentlich anstatt des Gymnasium, wenn es wirklich nötig wird, keine gemeindliche Gesamtschule? (die wir Sozialdemokraten schon immer gefordert haben, leider erfolglos, weil die CDU in den achtziger Jahren ihre „vorausschauende Politik“ mit ihrer absoluten Mehrheit ihre Bildungsklientel bedient hat.)

Nehmen wir uns also Zeit, denn „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“

 

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