SPD-Antrag zur Schulsituation in Nottuln

Veröffentlicht am 14.12.2011 in Kommunalpolitik

Zur Beratung auf der Gemeinderatssitzung vom 13. Dezember 2011 hat die SPD-Fraktion folgenden Antrag gestellt:

Im Anschluss an die Informationsveranstaltung im Forum des Gymnasiums haben sich Vorstand und Fraktion der SPD Nottuln zusammengesetzt und die Schulsituation in Nottuln noch einmal gründlich analysiert.

Einheitlich wird in der Fraktion die Meinung vertreten, dass die Diskussionen und Entscheidungen für Nottuln nicht ideologisch geführt werden dürfen, sondern pragmatische an der Sache orientierte Fakten zur Beschlusslage führen müssen.

Zum Sachverhalt: Die SPD Nottuln ist sich mit allen im Rat vertretenen Parteien einig, dass die Politik Lösungen für einen durch den demografischen Faktor bedingten Wandel der Schullandschaft in Nottuln finden muss. Weiterer Konsens besteht in der Auffassung, dass zurückgehende Schülerzahlen in den kommenden Jahren dazu führen werden, dass die Hauptschule – trotz aller Bemühungen – in ihrem Bestand nicht mehr zu halten sein wird: Ein Blick auf die Anmeldungen in den Nottulner Grundschulen untermauert diesen Sachverhalt. (Zurzeit prognostizierte Eingangszahlen 230 (lt. Mail der Schulentwicklungszahlen für das SJ 2012/2013 lediglich 197 prognostizierte Anmeldungen; heute in der WN: knapp 200) mit Rückgang auf 170 Schülerinnen und Schüler.) Auch besteht Konsens in der Auffassung, dass ein Schulmodell des „Länger-gemeinsamen- Lernens“ für Nottuln eine sinnvolle und notwendige Perspektive darstellt. Dazu bieten sich nach unserer Auffassung lediglich zwei Varianten an: Eine Sekundarschule oder alternativ eine Gesamtschule. Im Gegensatz zur Mehrheit des Rates sieht die SPD allerdings in der Errichtung einer Sekundarschule in Nottuln keine!dauerhafte Lösung mit Blick auf die demografische Entwicklung. Begründung: Wir sind der festen Überzeugung, dass in wenigen Jahren auch die Schülerzahlen am Gymnasium nicht mehr ausreichen werden, um ein akzeptables Differenzierungsangebot für die Oberstufe machen zu können: Hier gilt leider das gleiche wie für die Hauptschule: Alle Anstrengungen, die von allen das Gymnasium tragenden Säulen getätigt werden, werden nicht ausreichen, um ein „Ausbluten“ der Oberstufe zu verhindern. Die durch die Errichtung einer Sekundarschule erhofften Synergieeffekte sind vor allem spekulativer Natur. (Am Vorstellungsabend wurde deutlich, dass beide Schulleiter bei den Eltern um Schüler warben, eine Konkurrenzsituation bleibt trotz möglicher Kooperation der beiden Schulen erhalten – zu wessen Lasten?) Die SPD lehnt aus zwei weiteren Gründen das Sekundar-Schul-Projekt ab:
  1. Die inhaltlichen Konzepte entsprechen nur im Ansatz den von der Landesregierung vorgegebenen Rahmenbedingungen: Der Elternwille wurde nicht! abgefragt, kein gebundener Ganztag, keine Kooperation mit einem G9 Gymnasium, keine Inklusion, abgespeckte Integration. Letztere Forderungen wurden von allen Fraktionen an die „neue“ Schule gestellt – nichts davon wurde seitens des Ersatzschulträgers akzeptiert.
  2. Die Kosten von mindestens 1,7 Millionen Euro mit immenser Luft nach oben, die den Gemeindehaushalt wesentlich belasten und damit auch den Steuerzahler. Die SPD ist sich sicher, dass diese Gelder fehlinvestiert sind, weil sich die angestrebte Schulform „Sekundarschule“ in Nottuln als nicht dauerhaft zielführend erweisen wird, und wir uns in wenigen Jahren dem Problemfeld „Gymnasium“ zuwenden müssen.
Insofern sind wir der Meinung, dass eine Gesamtschule, die neben dem längeren gemeinsamen Lernen alle Schulabschlüsse (HS, RS, G8 – G9 Abitur) anbieten kann, als einzige Schulform eine für die Zukunft sinnvolle Alternative für alle Nottulner Schülerinnen und Schüler zu den aktuellen Planungen der Verwaltung darstellt. Positive Auswirkungen auf die ortsnahe und vor allem langfristige Beschulung aller Kinder mit einem kompletten Bildungsangebot der bisher existierenden Schulformen (einschließlich der Einbeziehung des gemeinsamen Unterrichts GU für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Bedarfen) sind unserer Meinung nach nur von dem Angebot einer örtlichen Gesamtschule zu erwarten. Durch die Einrichtung einer Gesamtschule ergäben sich auf den Gemeinde-Haushalt (Einsparen der Investitionskosten) sowie die Ressourcenbildung im Gebäudemanagement zudem weitere Synergieeffekte. Die zu erwartende Akzeptanz einer solchen Schule würde zudem auch „Fremdgänger“ wieder in die Gemeinde zurückholen, die negativen demografischen Faktoren abmildern und nach unserer Meinung auch eine langfristige qualitativ hochwertige Perspektive aller Abschlüsse in Nottuln garantieren. Allein in diesem Schuljahr wurden insgesamt 45 Kinder unserer Gemeinde auf den Gesamtschulen in Münster und Havixbeck angemeldet. Dies sind fast zwei vollständige Klassen, deren Eltern das hier vorgehaltene Schulangebot für ihre Kinder abgelehnt haben. Der Trend zur Gesamtschule ist ungebrochen und wächst von Schuljahr zu Schuljahr. Die SPD Nottuln stellt deshalb folgenden Antrag:
  1. Die Verwaltung möge die Rahmenbedingungen zur mittelfristigen Errichtung einer Gesamtschule in gemeindlicher Trägerschaft prüfen und Vorschläge zur mittelfristigen Umsetzung in Kooperation mit allen Entscheidungsträgern erarbeiten. Der Auflösung der Hauptschule kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht zugestimmt werden. Deshalb beantragen wir:
  2. Die Hauptschule Nottuln soll bis zur Einrichtung einer gemeindlichen Gesamtschule in ihrer jetzigen Form weitergeführt werden. Daraus ergibt sich als Konsequenz:
  3. Der Beschluss zur Errichtung einer Sekundarschule wird vorerst zurückgenommen.
 

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