Wirtschaftsförderung in Nottuln

Veröffentlicht am 24.06.2017 in Ratsfraktion

Strategie ist das Gebot der Stunde!

Von WOLFGANG DANZIGER und HOLGER ZBICK

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

nach circa eineinhalb Jahren ihrer Tätigkeit als Wirtschaftsförderin verlässt Frau Urosevic die Gemeindeverwaltung Nottuln. Aus diesem aktuellen Anlass hat sich die Nottulner SPD mit dem Thema Wirtschaftsförderung befasst.

Die vom Rat der Gemeinde beschlossene und seit über einem Jahr besetzte Stelle hat erste positive Ergebnisse gebracht. Zunächst galt es, diese Aufgabenstellung in der Verwaltung und in der Öffentlichkeit zu etablieren. Nachdem dies umgesetzt scheint, ist es aus unserer Sicht erforderlich, den nächsten wichtigen Schritt zu gehen und entsprechende politische Zielsetzungen zu formulieren, die dieses wichtige Thema einordnen.

Wir sind davon überzeugt, dass eine gelingende Wirtschaftsförderung eine klare Zielsetzung und deutliche und transparente Rahmenbedingungen benötigt, um im Spannungsfeld zwischen Unternehmen, Bürgern, Verwaltung und Politik zu Vorschlägen und Ergebnissen zu kommen, die uns allen in Nottuln das Leben lebenswerter machen werden. Dabei ist es wichtig, zwischen den Akteuren kommunaler Wirtschaftsförderung die strategischen Grundlinien, die Aufgabenverteilung und die wichtigsten Aufgaben und Maßnahmen abzustimmen.

Es gilt eine Strategie zu entwickeln, die jedoch kein geschlossenes Wirtschaftsförderungskonzept sein kann. Sie muss in zweierlei Hinsicht „leben“:

  • Zum einen ist sie offen für Vorschläge seitens der verschiedensten Akteure. Gerade die spezifischen Projekte unterschiedlicher Unternehmen, Institutionen und Verbände können und sollen bei einer künftigen Fortschreibung Berücksichtigung finden.
  • Zum anderen erfährt die Strategie durch die gemeindliche Wirtschaftsförderung die erforderliche Aktualisierung. Welche Projekte und Maßnahmen konnten umgesetzt werden? Welche Projekte wurden – aus welchen Gründen – nicht realisiert? Welche Maßnahmen sind neu aufzunehmen? Diese und ähnliche Fragen sind mit und in der jährlichen Fortschreibung der Strategie zu beantworten.

Wesentlich ist, dass sich die wichtigsten Akteure der kommunalen Wirtschaftsförderung (Gemeindeverwaltung, Gemeinderat, IHK und Handwerkerschaft) zu den Zielen und Inhalten der zu findenden Strategie bekennen. Denn nur so wird es möglich sein, im Wettbewerb der Kommunen zu bestehen.

Die anstehenden Überlegungen zu einer evtl. Neubesetzung der Stelle im Bereich der Wirtschaftsförderung machen es unverzichtbar, Klarheit darüber zu schaffen, was Wirtschaftsförderung in Nottuln bewirken soll. Auf diesem Weg müssen sich Politik und Verwaltung darüber einig sein, wie die entsprechenden Ziele und Aufgabenstellungen zu beschreiben sind.

Wir wollen unsere Vorstellungen einbringen, wie diese Strategie aussehen kann.
Wir glauben, dass aus einem zu findenden Selbstverständnis heraus (was heißt Wirtschaftsförderung für Nottuln?) Ziele zu definieren sind, welche dann zur Beschreibung von Aufgabenfeldern und Konkretisierungen in Einzelmaßnahmen führen werden. Das Ganze gilt es dann auf seine Umsetzung zu überprüfen und in die Zukunft fortzuschreiben.

Nur eine solche professionelle Herangehensweise an dieses für Nottuln wichtige Thema rechtfertigt dann auch die erforderlichen Aufwendungen für Personal- und Sachkosten. Denn „für Null“ wird das alles nicht zu bekommen sein.

Die damit verbundene Transparenz wird eventuelle Vorbehalte gegen diesen gemeindlichen Förderansatz ausräumen und eröffnet allen Interessierten die Möglichkeit, sich an diesem zukunftsträchtigen Verwaltungshandeln zu beteiligen.

 

Die SPD Nottuln stellt in diesem ersten Versuch, die genannten Anforderungen zu konkretisieren, folgende Thesen zur offenen Diskussion:

 

1. These: Einordnung der Wirtschaftsförderung

Die Wirtschaftsförderung ist Teil der Gemeindeverwaltung. Neben der klassischen Wirtschaftsförderung wie Bestandspflege, Akquisition oder Standortmarketing unterstützt und berät die Stabstelle bei der Bürgermeisterin auch die Kommunalpolitik in wirtschaftspolitischen Fragen und arbeitet eng mit den Fachbereichen bei allen wirtschaftlich relevanten Aspekten einer nachhaltigen Gemeindeentwicklung zusammen.

 

2. These: Selbstverständnis der Wirtschaftsförderung

Als freiwillige Aufgabe der kommunalen Selbstverwaltung verfolgt die Wirtschaftsförderung einen bedarfsorientierten Ansatz, den sie an den Bedürfnissen ihrer Zielgruppe, den kleinen und mittleren Unternehmen, den Handwerksbetrieben, den Industrieunternehmen, den freien Berufen, den Existenzgründern und den Investoren ausrichtet.

Indem sie die Wirtschaft untereinander und Unternehmen mit Kammern, Verbänden, Wissenschaft und Einrichtungen wie der Agentur für Arbeit oder der NRW-Bank vernetzt, schafft sie wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen am Standort Nottuln.

Vor diesem Hintergrund versteht sich die Wirtschaftsförderung als ständiger Ansprechpartner für Unternehmen, „Umsetzer“ wirtschaftsbezogener Projekte, Ideenentwickler, Impulsgeber und Vermittler bei wirtschaftlich relevanten Problemen.

 

3. These: Ziele der Wirtschaftsförderung

Oberstes Ziel der Wirtschaftsförderung ist die Schaffung wirtschaftsfreundlicher Rahmenbedingungen, um die Attraktivität Nottulns als Wirtschaftsstandort zu steigern, Arbeitsplätze zu sichern und die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu unterstützen.

Für einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort ist es zunehmend notwendig, dass ausreichend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen. Der Fachkräftemangel wird sich im Hinblick auf die demografische Entwicklung verschärfen, so dass Engpässe in den nächsten Jahren auf allen Qualifikationsniveaus deutlich zunehmen werden. Faktoren wie eine unternehmerfreundliche Verwaltung, Image, Lebensqualität und Kultur sowie eine der Gemeinde eigene Willkommenskultur sind wichtige Kriterien im Standortwettbewerb um Talente bzw. Fachkräfte.

Die Sicherung der Finanzkraft der Gemeinde Nottuln ist ein erklärtes Ziel der Wirtschaftsförderung. Dadurch sind indirekt der Erhalt und die Steigerung der Lebensqualität und des Wohlstandes der Nottulner Bevölkerung erreichbar. Die Bestandsförderung und die Akquisition von Unternehmen sind von besonderer Bedeutung. Hier gilt es vor allem durch die Förderung von jungen Unternehmen (start ups) neue Technologien für die Zukunft Nottulns zu gewinnen.

Die Wirtschaftsförderung setzt sich außerdem zum Ziel, Impulse zur Verbesserung der harten und weichen Standortfaktoren zu geben und an einem kreativen Prozess des Nachdenkens über die zukünftigen Entwicklungsoptionen der Gemeinde Nottuln als Mittelstands- und Dienstleistungsstandort mitzuwirken.

 

4. These: Aufgabenfelder der Wirtschaftsförderung

Das Aufgabengebiet der Wirtschaftsförderung wird durch wirtschaftliche, politische, technologische und gesellschaftliche Wandlungsprozesse beeinflusst, wie beispielsweise die Globalisierung, den Strukturwandel im ländlichen Raum oder dem sich zu einem Fachkräftemangel drehenden Arbeitsmarkt. Gegenwärtig gehören die Bestandspflege, das Standortmarketing, die Ansiedlung neuer Unternehmen, die Standortentwicklung sowie das Flächenmanagement und die Fachkräftesicherung zu den wichtigen Aufgabenfeldern.

Im Mittelpunkt steht neben der Vermarktung der Gemeinde als attraktiver Wirtschafts- und Arbeitsstandort vor allem die Pflege und Förderung des vorhandenen Unternehmensbestandes. Die Unterstützung reicht hier von der Existenzgründer- und Fördermittelberatung über die Informationsvermittlung bis zur Begleitung im Krisenfall.

Regelmäßig unternimmt der/die Wirtschaftsförderer/in Betriebsbesuche und ist in Netzwerken sowie Arbeitskreisen vertreten. Insbesondere die projektbezogene Kooperation mit privaten Akteuren gewinnt dabei an Bedeutung.

Auf kommunalpolitischer Ebene trägt die Wirtschaftsförderung dafür Sorge, dass die Anforderungen der Unternehmen erkannt werden und in die Gemeindeentwicklung einfließen. Eine wirtschaftsfreundliche Gemeindepolitik ist kein Selbstzweck. Sie sichert vielmehr die Grundlage für eine dynamische Wirtschaft. Sie schafft die Voraussetzungen für den Wohlstand der Nottulner Bevölkerung und die Finanzkraft der Gemeinde.

Für die Aufgabenfelder mit ihren einzelnen Maßnahmen ist die Wirtschaftsförderung größtenteils federführend. Es ist ihre Aufgabe, die ebenfalls benannten anderen Partner einzubeziehen. Originäre Zuständigkeiten einzelner Akteure bleiben hierbei unberührt. Die Wirtschaftsförderung erstellt, pflegt und aktualisiert eine Übersicht zur Orientierung und der Zuordnung der laufenden bzw. geplanten Maßnahmen zu ihren Kernaufgabenfeldern. Diese Aufzählung wird mit einem Umsetzungszeitraum versehen (kurzfristig, mittelfristig, langfristig).

 

5. These: Strategiepapier zur Wirtschaftsförderung

Das vorstehende Selbstverständnis und die Ziele und Aufgabenfelder der Wirtschaftsförderung fließen ein in ein kurzfristig zu erstellendes „Strategiepapier Wirtschaftsförderung“. Anlass für das Strategiepapier ist die Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung der Gemeinde Nottuln. Ziel des Papiers ist es, die Arbeit der Wirtschaftsförderung transparent zu machen und die wichtigsten wirtschaftsrelevanten Handlungsfelder, Ziele und Maßnahmen aufzuzeigen. Das Strategiepapier dient außerdem der Vorbereitung eines Leitbildes „Wirtschaftsstandort“.

Die Wirtschaftsförderung muss ihren Möglichkeiten entsprechend bemüht sein, Nutzen für den Kunde oder Bürger zu schaffen, den vor allem sie allein bieten kann. Damit einher geht langfristig der Aufbau von Kernkompetenzen und wo möglich Konkurrenzvorteilen.

Herauszuarbeiten sind die Herausforderungen und zu entwickeln sind geeignete Strategien, um daraus Maßnahmen abzuleiten, die diese Strategien in die Tat umsetzen.


6. These: Überprüfung und Aktualisierung der Wirtschaftsförderung

Die Wirtschaftsförderung wird den Gemeinderat halbjährlich in einem schriftlichen Bericht über den Stand der Strategien, Ziele und Maßnahmen in den jeweiligen Kernaufgabenfeldern unterrichten.
Die Arbeit der kommunalen Wirtschaftsförderung wird von ökonomischen Trends und dem konjunkturellen Verlauf beeinflusst. Auf diese Herausforderungen und damit verbundene Veränderungen muss sie reagieren, um den Bedürfnissen ihrer Zielgruppe gerecht zu werden.

 

Mit den vorgenannten Thesen sollen Rahmenbedingungen gefunden werden, die inhaltlich dann von der Gemeindeverwaltung auf die operative Ebene herunter zu brechen sind.

Wir sind davon überzeugt, dass professionelle Wirtschaftsförderung für Nottuln Entwicklungspotenziale erkennen und heben und auch die Risiken von strategischen Fehlentwicklungen entgegnen kann.

Ohne klar formuliertes Selbstverständnis, ohne konkret formulierte Ziele, ohne Definition der Aufgabenfelder und ohne Rückkopplung mit der Politik wird gemeindliche Wirtschaftsförderung stets – teures – Stückwerk bleiben, den Beteiligten aber nur mit Zufallstreffern in ihren wirtschaftlichen Herausforderungen helfen können.

 

Ihr Kontakt zur SPD Nottuln

Sie erreichen die SPD Nottuln per E-Mail. Schreiben Sie gerne an ov@spd-nottuln.de oder besuchen Sie unsere Facebook-Seite.

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