SPD-Fraktionsvorsitzender Wolf Haase zur Sekundarschule in Nottuln

Veröffentlicht am 17.09.2011 in Schule und Bildung

SPD Fraktionsvorsitzender Wolf Haase

Seit längerer Zeit ist allen verantwortlichen Entscheidungsträgern dieser Gemeinde bekannt, dass der demografische Wandel die Schullandschaft in Nottuln gravierend verändern wird und…, obwohl es in jüngerer Vergangenheit unter Beteiligung von Vertretern aller am Ort ansässigen Schulformen, Eltern, Verwaltung und Politik Workshops zu dieser Problematik gegeben hat, sind nur marginale Veränderungen ins Gespräch gebracht worden, die vom Ergebnis her wenn überhaupt geringe Wirkung gezeigt haben.

Die Fakten zeigen u.a. folgende „Knackpunkte“:
  • Die Schüleranmeldezahlen sinken sowohl am Gymnasium und an der Hauptschule,
  • Eltern aus den Ortsteilen schicken ihre Kinder immer häufiger an weiterführende Schulen in der näheren Umgebung.
Daraus folgen zwei „Problemfelder“, die u.a. die Bildungsstruktur unserer Gemeinde wesentlich belasten:
  1. Die Bestandsgefährdung unserer Hauptschule
  2. Die Differenzierungsangebote der Oberstufe unseres Gymnasiums und damit auch der Bestand des Gymnasiums in der derzeitigen Ausrichtung.
Dass in der Vergangenheit durch parteiideologische Engstirnigkeit der hiesigen CDU eine Gesamtschule, die wir als SPD Nottuln favorisierten, zugunsten eines Gymnasiums verhindert wurde, ist heute der Auslöser dieser Problematik, nicht aber Bestand meiner Überlegungen (Lamentieren hilft da nicht). Ganz aktuell durch eine in Kürze zu erwartende Schulgesetzänderung im Land NRW ergibt sich für unsere Gemeinde die Möglichkeit, durch eine Einrichtung einer Sekundarschule in der Trägerschaft des Bistums Münster unsere „Schulprobleme“ zumindest teilweise zu „lösen“:
  • Die neu anzumeldenden Hauptschüler gingen als Sekundarschüler – beginnend mit dem nächsten Schuljahr – in die Trägerschaft des Bistums, die alten Jahrgänge würden sukzessive in den nächsten 5 Jahren auslaufen.
  • Durch die vertraglich festgelegte Kooperation der „Sekundarschule“ mit dem Gymnasium kann eine größere Übergangsquote von Oberstufenschülern erwartet werden und damit auch eine Verbesserung der Differenzierungsangebote in der Oberstufe.
Diese Lösung wird den im Rat vertretenen Parteien nun seitens der Verwaltung vorgeschlagen! Wir als SPD sehen durchaus den Wunsch vor Ort für Nottuln ein ausreichendes Bildungsangebot vorzuhalten. Mit Blick auf die Infrastruktur von Bildung und Wirtschaft und die damit verbundene Attraktivität unserer Gemeinde wollen wir Sozialdemokraten eine möglichst vollständige Schullandschaft für Nottuln , aber nicht um jeden Preis! Die von der Verwaltung – auch durch die vorliegende Vertragsgestaltung – geschätzten Kosten für eine solche Sekundarschule belaufen sich auf zirka 5 Millionen Euro durch
  • Die Einrichtung eines vierten Zweiges
  • Die Gestaltung eines „Offenen/gebundenen Ganztags“
  • Den Neubau einer Turnhalle
Die von der Verwaltung genannten Gegenrechnungen
  • Aufgabe der Hauptschule und damit andere Nutzung der Räume
  • Ersparnis von Mieten angemieteter Verwaltungsgebäude
  • Aufgabe des Jugendheims – dadurch Erlös durch Verkauf
  • Umzug des Rates und der Verwaltung
sind unseres Erachtens in vielen Bereichen zurzeit noch spekulativ. Weiterhin gilt es zu bedenken, dass viele Gelder – wenn überhaupt – erst in späteren Jahren in den Gemeindehaushalt einfließen werden, die meisten Finanzierungspakete für dieses Projekt schon die Haushalte der Folgejahre belasten, gar nicht erst zu reden von den mindestens zwei Millionen, die die Gemeinde aufwenden muss, um ein Schulgebäude, dass sich im Eigentum des Bistums befindet, auszubauen. Weiterhin wird die Umsetzung dieser Sekundarschule den Gemeindehaushalt zudem so belasten, dass wir in die von uns allen bisher zumindest nicht gewollte Haushaltssicherung geraten könnten. Unser sozialdemokratischer Ansatz war es bisher immer, dass eine Gemeinde auch für die Familien und Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen ein vernünftiges Bildungsangebot ermöglichen muss. Die von der Landesregierung nun mögliche Gesetzesänderung erlaubt uns vor Ort eben auch dieses von uns immer gewollte längere gemeinsame Lernen. Zum augenblicklichen Zeitpunkt wissen wir aufgrund der von der Schulabteilung vorgelegten Daten, dass die Anmeldezahlen für eine Eingangsklasse den Bestand der Hauptschule vor Ort für die nächsten 5 – 6 Jahre zwar garantieren, aber was dann!? Insofern schlagen wir mit Blick auf den demografischen Wandel und mögliche Konsequenzen für unsere Schulen vor Ort vor, dem Verwaltungsvorschlag zur Errichtung einer Sekundarschule in kirchlicher Trägerschaft zu folgen. Dennoch haben wir (und nicht nur die SPD Nottuln ) folgende Bedenken, die in den Verhandlungen mit dem Bischoff drastisch gesenkt werden müssen:
  1. Es entstehen hohe Kosten, die über Kredite finanziert werden müssen. Diese müssen durch ein entsprechendes Gebäudemanagement drastisch gesenkt werden!
  2. Weiterhin ist zu befürchten, auch wenn wir das nicht wünschen mit Blick auf den Schulleiterwechsel und die von ihm angestrebten Innovationen an unserem Gymnasium, dass die Schülerzahlen am Gymnasium in naher Zukunft (ähnliche Halbwertzeit wie die Hauptschule?) nicht ausreichen werden, eine vernünftige Differenzierung in der Oberstufe zu gewährleisten. (Für diesen „worst case“ bliebe eventuell die Umwandlung der Sekundarschule in eine Gesamtschule nach dem Modell der Friedensschule als eine Option.)
  3. Welches Konzept wird diese „neue“ Schule haben?
  4. Werden die Hauptschullehrer, die bisher eine hervorragende Arbeit für Nottuln geleistet haben, übernommen werden können, auch wenn sie vielleicht nicht den von der katholischen Kirche gesetzten Einstellungsnormen entsprechen?
  5. Ähnliches gilt für die Aufnahme von Schülerinnen und Schülern anderer Religionen bzw. von denen, die keiner Religion angehören!
Wenn diese Verhandlungsmassen, in deren Inhalten sich alle Nottulner Parteien einig sind, in einem vernünftigen Kompromiss ausgelotet werden, sehen wir Sozialdemokraten eine gute Chance für eine Sekundarschule in Nottuln und werden dieses Projekt weiterhin konstruktiv begleiten.
 

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